"Mit Trix in die Welt der Technik" - der Trix Metallbaukasten einst und heute

 (Autor: Michael Linnenbach)

Die technische Entwicklung des Trix-Metallbaukastens begann bereits 1927, noch unter Federführung der damaligen Nürnberger Spielwarenhersteller Andreas Förtner & Jürgen Haffner GmbH. Stephan Bing ergriff im Oktober 1928 die Gelegenheit, zusammen mit einigen bewährten Mitarbeitern das Unternehmen Förtner und Haffner aufzukaufen. Ihm zur Seite standen unter anderem Persönlichkeiten wie Siegfried Kahn, der als technischer Manager der Bing-Werke AG viel für die Nürnberger Spielwarenindustrie geleistet hatte. Wesentliches Element dieses Baukastemsystems war ein neuartiges, speziell entwickeltes Drei-Loch-System, das die Befestigung von Schrauben, versetzt in drei Reihen je Flachband, verschränkungsfrei auf einfache Weise ermöglichte. Vermutlich war die Drei-Loch-Anordnung auch der Namensgeber für das spätere Weltunternehmen Trix – jedoch ist dieser Sachverhalt umstritten. Unbestritten ist der überragende pädagogische Wert des Metallbaukastens, der im 20. Jahrhundert zahlreiche Generationen an technische Berufe herangeführt hat.

(Trix Metallbau, Anfangspackung 1, 1934 bis 1950er Jahre, Repro u. Foto,  ©: M. Linnenbach)

 Durch die günstigen Verkaufspreise fanden die Trix-Baukästen in Deutschland schnell weite Verbreitung. So waren die kleinen Anfangspackungen vor dem Zweiten Weltkrieg bereits für 50 Pfennige erhältlich. Dieser Preis entsprach in etwa dem Taschengeld damaliger Jugendlicher. Mit etwas Übung und Fantasie war man in der Lage, aus den Anfangspackungen mehrere kleine Modelle eigenständig zu konstruieren. Dabei half bereits das jedem Kasten beiliegende Faltblatt mit Stückliste und Anleitungen; für größere Bauprojekte gab es drei ausführlichere Anleitungsbücher. Hatte man Bedarf nach mehr Bauteilen, ging man in das nächste Spielwarengeschäft und erwarb sich weitere „Wundertüten“, wie die in Papier eingeschlagenen Schrauben und Blechstreifen im Volksmund auch genannt wurden.

Angespornt durch die große Nachfrage steigerte Trix das Angebot ständig und entwarf weitere Ergänzungspackungen. So entstanden im Laufe der Zeit zahlreiche Varianten von Baukästen, die je nach Inhalt und Umfang den unterschiedlichsten Anforderungen seiner heranwachsenden Käuferschaft entsprachen. Vielseitige mobile Antriebselemente vom Uhrwerk über elektrische Spulen bis zum batteriebetriebenen Elektromotor erweiterten die Produktpalette und erfüllten damit auch gehobene technische Ansprüche. Allerdings blieb der mit dem Kasten Motosand eingeführte Schwerkraftantrieb (durch rieselnden Sand) eine technische Randerscheinung, er hatte anscheinend zu wenige Anwendungsmöglichkeiten. Dieser Kasten war, wie auch der TRIX Electro 12 (mit doppeltem Inhalt wie Electro 11), nur wenige Jahre im Verkaufsprogramm. Ab 1934 veranstaltete Trix landesweite Modellbau-Wettbewerbe, die sowohl die Verkaufszahlen als auch den Erfindungsgeist der meist jugendlichen Teilnehmer förderten – mit Sicherheit war bei den Modell-Entwürfen auch so mancher Erwachsener im Hintergrund beteiligt. Vielfach entstanden in dieser Zeit zahlreiche neue Konstruktionen, die in keinem Anleitungsbuch zu finden waren. Von diesem Ideenreichtum profitierte wiederum der Hersteller, indem er die besten Ideen in die Produktpalette überführte.

(Trix Electro 12, seltene Grundpackung von 1935, Repro u. Foto,  ©: M. Linnenbach)

Alles in allem war das Trix-Baukastensystem dem Meccano- und Märklin-System hinsichtlich der Variabilität der Konstruktionsmöglichkeiten weit überlegen. Dennoch hatten auch die Trix-Baukästen ihre Schwächen. Insbesondere die einfache, nahezu grobe Ausführung der Bauelemente sowie das beiliegende unzureichende Werkzeug gaben immer wieder Anlass zu Kritik. Letztendlich ermöglichte aber nur die einfache Ausstattung die niedrigen Verkaufspreise und die damit verbundenen hohen Auflagen in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.

Nach der Währungsreform im Jahr 1948 gab es eine wesentliche Änderung im System: Alle Gewinde wurden vom zolligen Whitworth-Gewinde auf das metrische M 3,5 mm-Gewinde umgestellt, wobei die Löcher in den Bauteilen unverändert blieben, die Schrauben aber nicht mehr kompatibel waren. Ferner ging Trix dazu über, die einzelnen Grund- und Zusatzkästen wie 1 (8941), 1A (8942), 1B (8943), 1C (8944), 1D (8945) und den Elektrokasten (450/11) in verschiedenen Kombinationen zu größeren Verkaufseinheiten zusammenzuführen. So erschienen in kurzen Abständen die damals beliebten Baukästen „Junior Trix“, „Element Trix“, „Moto Trix“ und „Präsent Trix“. In den 1960er folgten dann die Großbaukästen „Master Trix“, „Ingenieur Trix“ und „Trix Assistent“.

 

(Junior TRIX 2 und TRIX ASSISTENT von 1973/75, Fotos ©: M. Linnenbach)

Parallel gab es weiterhin die kleinen Grundkästen aus der Vorkriegsepoche sowie wichtige Einzelteile wie z. B. Gummireifen (450) in verschiedenen Größen, die Elektromotoren (2050 für Gleichstrom, 2060 für Wechselstrom) sowie das aufziehbare Uhrwerk (2170) mit Vor- und Rückwärtslauf als alternative Antriebsvariante. Somit war das universelle Angebot des Trix–Metallbaukastensystems für nahezu alle Altersstufen perfektioniert. Selbst Erwachsene fanden Gefallen an den interessanten und technisch vielfältigen Konstruktionsmöglichkeiten. Trotz aller Bemühungen – der klassische Metallbaukasten hatte sich überlebt. Die Interessen der jugendlichen Käuferschaft waren in den 1980er Jahren stark im Wandel begriffen. Nach einer längeren Phase der Stagnation folgte unmittelbar mit der Auslieferung des letzten Baukastenmodells (Bugatti-Rennwagen Typ 57, Auflagenhöhe: 333 Stück) zum Jahreswechsel 1997/98 das endgültige Ende. Damit verschwand ein herausragendes Produkt der deutschen Spielwarenindustrie, das immerhin über einen Zeitraum von 66 Jahren Bestand hatte.

Heute strahlen die Trix-Baukästen der verschiedenen Epochen jenen nostalgischen Charme aus, dem sich viele nicht entziehen können. Dies ist wohl mit ein Grund für das in letzter Zeit angestiegene Interesse an den alten Kästen. Gut erhaltene Anleitungshefte und Beschreibungen spielen bei der Käuferschar ebenso eine wichtige Rolle.

(Trix Fabrik, 2 gekoppelte Gleichstrommotoren mit Schleifscheibe, Foto ©: M. Linnenbach)