Reparaturhinweise für die Trix Express-Diesellok 764, BR V 200 (Bj. 1958)

(Autor: Michael Linnenbach)

TRIX EXPRESS-V 200 (TE 764) aus dem Jahr 1958, Mustermodell der Epoche III

Die TRIX EXPRESS-V 200 (TE 764 später TE 2260) aus dem Jahr 1958 ist ein Ganzmetall-Modell. Gehäuse und Chassis bestehen aus Spritzguss. Die in hohen Auflagen produzierte Diesellok war in den 1960/ 70 er Jahren sehr beliebt und erfreute sich einer großen Käuferschar. Für lange Zeit war die Gewähr gegeben, dass das H0-Modell aufgrund seines hohen Gewichts von etwa 600 g und in Verbindung mit der Plastikbereifung (Haftreifen) der 4 angetriebenen Räder eine überraschend gute Zugkraft entwickelte. Seit einiger Zeit finden sich aber auf Börsen und im Internet zahlreiche dieser alten Modelle, die entweder gar nicht mehr und nur noch bedingt laufen. Meist dienen die Loks dann nur noch als Ersatzteilspender (Schrottlok) und werden gnadenlos ausgeschlachtet. Der Artikel soll zeigen, dass die Zerstörung der Lok eigentlich nicht nötig wäre. Wenn man das Innenleben dieser alten V 200 genauer kennt, lassen sich die Fehler bzw. Schäden relativ leicht beheben. Der Lohn dafür ist, dass man danach wieder einen gut funktionierenden Loktyp der Epoche III aus den Nachkriegsjahren des Trix Express-Systems besitzt, welches bei guter Pflege noch so manches Plastikmodell überleben wird.

TE 764, Blick auf die Antriebsachsen. Hinter der Schleiferplatte befindet sich der Kardanantrieb.

Freigelegte Kardanwelle mit Zahnrad und Antriebsachse (Fotos: © M Linnenbach)

 

Die häufgsten betriebsbedingten Schäden an der V 200 sind:

  • Abriss bzw. Ablösung der Kardanwelle, bedingt durch Überbelastung oder durch übermäßiges Ölen des Getriebes. Beides bewirkt mitunter auch den Verlust des eingelegten Kardankreuzes (s. Abb. 6 unten), das sich ablöst und auf der Anlage nahezu unauffindbar verabschiedet.
  • unregelmäßiger Antrieb und schaukelnde Fahrweise durch abgefahrene Haftreifen, führt letztendich auch zu Veränderungen an der Kardanwelle
  • unregelmäßig abgefahrene Schleifer durch einseitigen Betrieb (Kreisverkehr) führen langfristig ebenfalls zu den o. g. Schäden
  • verschlissene Zahnkränze auf den Antriebsachsen bedingt entweder durch unsachgemäße Überbelastung oder durch falsches Öl bzw. Fett (Säureschäden, Verharzung) Antriebsräder rutschen durch.

Wird ein fehlerhaftes bzw. schwaches Anfahren der Lok festgestellt, so kann man davon ausgehen, dass sich im Antrieb eines der oben erwähnten Mängel bzw. Schäden ereignet hat. Man sollte von weiteren Fahrten absehen und die Lok sachgemäß von unten über die zentrale Schraube, die auch das Gewicht fixiert, öffnen. Um an das Getriebe zu gelangen müssen alle 4 Laschen, die die Schleiferplatte halten, vorsichtig zurückgebogen werden. Nach Abnahme der Schleiferplatte erkennt man rasch, um welche Schäden es sich am Getriebe handelt. Im Falle der abgelösten bzw. gelockerten Kardanwelle, muss darauf geachtet werden, dass die beiden Kardankronen wieder kreuzweise ineinander greifen. Unmittelbar in die Kontaktzone ist das Kardankreuz einzulegen. Dieses nahezu unscheinbare Bauteil ist für den geschmeidigen Betrieb der V 200 von größter Bedeutung. Fehlt es, ruckelt die Lok erheblich sowohl beim Anfahren als auch beim Wechsel der Fahrtrichtung, irgendwann streikt sie dann vollends. Die abgelösten bzw. gelockerten Kardankränze fixiert man nach Ausrichtung mittels eines starken Sekundenklebers. Zuvor müssen die Kardanachsen von sämtlichen Öl- und Schmierresten gereinigt  (z. B. mit Spiritus, Nagellackentferner) und anschließend getrocknet werden. Das Kardankreuz darf nicht mit verklebt werden! Es muss frei beweglich zwischen den Kardankränzen anliegen. Für die vollständige Aushärtung Klebstoffs empfiehlt es sich bis zum nächsten Tag zu warten, um die Reparatur bzw. die Remontage fortzusetzen. Die Gelegenheit sollte genutzt werden, um ggf. auch schadhafte Räder, Antriebswellen oder Haftreifen auszutauschen.

Kardanwellen als Antrieb existieren auch in den ersten Versionen der kobaltblauen E 10, der grünen E 40 und dem VT 75 904. Hier können die gleichen Komplikationen auftreten.

BR V 200, abgelöste Kardan-Antriebe, hier läuft nichts mehr!

Freigelegtes Kardankreuz (Hartplastik), unscheinbares aber extrem wichtiges Bauteil im Antrieb der V 200.

TE 764, wieder zusammengefügter, reparierter Kardan-Antrieb mit eingelegtem Kardankreuz.

(Fotos: © Michael Linnenbach)

Wer sich die Reparatur nicht zutraut, kann sich gerne mit dem Autor des Artikels  michael.linnenbach@t-online.de in Verbindung setzen.