Trix Express und Distler

(Autor: Michael Linnenbach)

Die Firma Metallwarenfabrik Johann Distler K.G. wurde 1895 in Nürnberg gegründet. Bis 1914 wurden hier vorwiegend Kleinspielzeuge ohne mechanischen Antrieb produziert. In den 1920er und 1930er Jahren erweiterte Distler seine Produktpalette erheblich und bot nunmehr auch hochwertige Spielzeugartikel, wie z. B. Eisenbahnen in Spur 0 mit Uhrwerkantrieb an. Ab 1936 gehörte Distler dem Unternehmer Ernst Voelk, der 1938 nach der Enteignung der bisherigen Eigentümer, auch die Firma Spielwarenfabrik Trix (ebenfalls in Nürnberg) übernahm.

Nach dem 2. Weltkrieg produzierte Distler bis 1962 preiswerte, meist batteriegetriebene HO-Spielzeuge (Eisenbahnen und Autos) z.T. in Blech, später im Billigsegment auch aus Kunststoff. Vor allem im Bereich der 4.5-Volt Batterie-Eisenbahnen (Abb.1) , die ab 1953 bis 1960 parallel zum bestehenden Trix-Express Modellbahnprogramm hergestellt wurden, durchmischte sich die Angebotspalette von Trix Express und Distler. Grund hierfür war der von Distler entwickelte Elektromotor mit seinen ausgezeichneten Laufeigenschaften (Abb. 2). Selbst nach Großbritannien gelangte dieser Motor und kam dort in den 1950er Jahren in den Tenderloks der damaligen TTR-Startpackungen (Trix-Junior) auf den Markt (Abb. 3). Die Batteriebahn war für viele Jugendliche der Nachkriegsgeneration der erste Kontakt mit der Modelleisenbahn und für Manche auch der Einstieg in die Elektrotechnik oder den Maschinenbau. Einige Produkte aus dieser spielzeugtechnisch interessanten Epoche werden hier vorgestellt. In speziellen Sammlerkreisen sind die inzwischen selten gewordenen Modelle gesucht. Spitzenreiter dürfte hier die bekannte Sandbahn sein (s. Abb. 13, 14), die mit hellgrüner Lok und 4 Kipploren im roten Karton in limitierter Anzahl hergestellt und nur für kurze Zeit (1954/55) von Trix vertrieben wurde.

 

 

Abb. 2: Distler-Motor in geöffneter Trix Batterietenderlok (TE 6602). Am Motor erkennt man ein Ritzel aus Metall, welches das messingfarbene Kronenrad antreibt. Dies ist unmittelbar mit den Lokrädern verzahnt. (Foto,  ©: M. Linnenbach).

 

Abb. 3: TTR 4.5-Volt-Batterie Tenderlok mit Distler Motor, (Foto: © M. Linnenbach).

Abb. 4: Originalverpackte Ersatzteile (Kronenräder, Schleifer) für die 6-Volt Batteriebahn (Foto,  ©: M. Linnenbach).

Abb. 5: Seltene Distler Zug-Packung mit Schienenkreis und 6-Volt Güterzug (Lok BR 80 mit zwei Wagen) in Blechausführung aus dem Jahr 1958 (Foto,  ©: M. Linnenbach).

Abb. 6: Trix Express Zugpackung No. 7/901 Personenzug mit Distler-Batteriegerät von 1954. Ab 1956 war die Lok auch einzeln erhältlich (Fotos,  ©: M. Linnenbach)

Abb. 7: Die Batterietenderlok 6602 mit OVP.

Abb. 8: Trix Express Dieselzug No. 7/900 mit Distler Motor und Mittelwagen (Replika) von 1954. Gemeinsam mit der bekannten Trix Batterietenderlok (TE 6602), lief der Triebwagen in vielen Kinderzimmern der 1960er Jahre.(Foto,  ©: M. Linnenbach)

Abb. 9: Distler TEE VT 11.5 von 1958 am Distler Blechbahnhof. Die Züge fielen damals durch ihre stromlinienförmigen Triebköpfe auf, deren anfänglich 1.100 PS (810 kW) starke Dieselmotoren von Maybach eine Reisegeschwindigkeit von 140 km/h ermöglichten. Auch die Modelle von Distler und Trix erreichten dank des Distler Motors rasante Geschwindigkeiten   (Foto,  ©: M. Linnenbach).

Abb. 10: Distler E 44012 von 1959 mit funktionslosen Pantographen (Foto: M. Linnenbach)

Abb. 11: Distler Ausstellung, Trix-Börse Zwingenberg 2007. Die preiswerten Distler Fahrzeuge werden auch als "Kaufhausbahnen" bezeichnet, da sie überwiegend von damaligen Kauf- und Versandhäusern, wie Karstadt, Neckermann, Quelle u. Schöpflin vertrieben wurden (Foto: A. Merz).

Abb. 12: Batteriezug TE 501, letzte Variante dieser Baureihe von 1960 mit dunkelgrüner Batterietenderlok (Foto: © M. Linnenbach).

Abb.: 13 + 14: Sandbahn TE 601, mit giftgrüner Lok und vier Kipploren (Fotos: M. Linnenbach)

Sandbahn mit 4 Loren in OVP von 1955, grüne Lok mit flacher Dachluke, ohne Pfeife (Foto: M. Linnenbach)

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Weiterführende Literatur: Käßer, Dieter (1998): Distler H0, Spielzeug Revue Dez 98/Jan 99, S 25 ff.