TRIX Lincoln International, die Slot-Car-Bahn der Vereinigten Spielwarenfabriken Ernst Voelk K.G. Nürnberg (1967 – 1972).

(Autor: Michael Linnenbach)

 Im Frühjahr 1967 wurde im Rahmen der 25. Ausgabe der Trix-Nachrichtenblätter (vormals Trix Express Dienst - TED) durch den  damaligen Modellbahnhersteller Trix (Vereinigte Spielwarenfabriken Ernst Voelk K.G. Nürnberg) ein neues und für einen  traditionsreichen Modelleisenbahnhersteller zugleich ungewöhnliches Produkt vorgestellt: Die Trix Lincoln International  Autorennbahn im Maßstab 1:43. Ausgelöst durch die heute noch erfolgreiche Carrera-Rennbahn, die bereits im Jahr 1963 im  Maßstab 1:32 in die Spielwarengeschäfte kam und der Ankündigung des Modellbahnkonkurrenten Märklin hinsichtlich der  Realisierung einer eigenen Rennbahn (Märklin-Sprint), musste der Nürnberger Modellbahnhersteller Trix ebenso auf diesen neuen Trend  reagieren. Entsprechend brachte Trix im Frühjahr 1967 vier batteriebetriebene 6 Volt Rennbahn-Packungen in verschiedenen Ausführungen (2- und  4-spurig) auf den Markt. In seinen Werbeschriften wies das Unternehmen Trix insbesondere auf die Vorteile des Batteriebetriebs der  Trix-Lincoln Rennbahn hin. Durch die Unabhängigkeit von einem Netzanschluss war das Spiel mit der Auto-Rennbahn gewissermaßen  überall möglich. So z.B. auf der Terrasse, im Garten oder im Urlaub auf dem Campingplatz. Ein leichter, rascher Auf- und Abbau der  Anlage sowie die robuste Qualität des Materials waren weitere werbewirksame Schlagworte. Selbstverständlich lockten auch die  relativ niedrigen Kaufpreise die Schar der Käufer an, denn eine Carrera-Bahn mit vergleichbarer Ausstattung war damals in der  Anschaffung wesentlich teurer.

  •  Mit 4 Grundpackungen ging Trix an den Start. Im Einzelnen handelte es sich dabei um: Trix Lincoln 7060: 2-spurige Anfangspackung, bestehend aus einem einfachen Oval (Größe: 85 x 45 cm) mit 2 Lotus-Formel 1 Rennwagen mit abschaltbarem Motorengeräusch (darauf wird noch eingegangen), 2 Handreglern, 10 Leitplanken zum Verkaufspreis von 19,75 DM (Abb. 1 oben, Foto: M. Linnenbach)
  • Trix Lincoln 7061: 2-spurige Acht (Größe: 95 x 50 cm) mit Brückenquerung (Vorbild ehemalige Avus-Rennstrecke Berlin) mit Schikane, Leitplanken, Handreglern und 2 Lotus-Formel 1 Rennwagen mit abschaltbarem Motorengeräusch zum Verkaufspreis von 34,50 DM.
  • Trix Lincoln 7062: 2-spurige Acht mit Steilkurve (Größe: 145 x 70 cm), Rundenzähler, Le-Mans Start Strecke sowie wahlweise mit Formel 1 Rennwagen oder Ferrari GT-Tourenwagen und zahlreichem Zubehör wie Benzinfässer, Strohballen, Bandenwerbung und Brückenbauteilen zum Verkaufspreis von 55,- DM.
  • Trix Lincoln 7065: 4-spurige Rennbahn für gehobene Ansprüche (Größe: 190 x 70 cm) mit 4 Formel 1 Rennwagen, 4 Rundenzählern, 4 Handreglern, zahlreiche knöpfbare Leitplanken, Bäume, Flaggen, Werbeschilder, Start und Zieleinlauf, Benzinfässer, Strohballen und Brückenbauteilen zum Verkaufspreis von 79.- DM. 

Das in den Trix-Werbeschriften und bei allen Modellpackungen angepriesene Zubehör des abschaltbaren Motorengeräuschs der Rennwagen war eine simple Konstruktion im inneren Aufbau der Autos. Ein kleiner Schieberegler, der im Frontspoiler der Rennwagen angebracht ist, bewirkt eine schleifende Verbindung an der Spindel des Elektroantriebs (s. Abb. 2, unten). Über längere Zeiträume wurde das sog. Motorengeräusch der Rennwagen mit Sicherheit nicht durch den Spieler toleriert, da es eindeutig die Fahrleistung der kleinen Fahrzeuge negativ beeinflusst. Letztendlich war der Hinweis auf diese Option nur ein schlichter Werbegag, der gelungen in Szene gesetzt wurde. Zu den oben genannten Grundpackungen, gab es entsprechendes Zubehör, quasi als Anreiz die hauseigene Rennstrecke weiter auszubauen. So fanden sich im Angebot einzeln verpackte Teile wie gerade und gebogene Bahnstücke (wahlweise 2- und 4-spurig (VK: 1,25 DM bzw. 2,75 DM), Rundenzähler (VK: 4,50 DM), Le Mans Startstrecke (VK: 2,50 DM), Schikanen und Kreuzungen (VK: jeweils 1,50 DM). Auch die Rennwagen waren teilweise einzeln erhältlich. So kostete beispielsweise. ein Formel 1 Lotus-Rennwagen 4,50 DM und ein Ferrari GT 3,95 DM. Insgesamt betrachtet war das Preisniveau der Trix-Lincoln-Fahrzeuge erstaunlich niedrig. Für einen Slot-Car von Scaletrix oder Carrera musste man damals mindestens das Vierfache an Geld investieren. Die Marktanteile der Slot-Car-Rennbahnen unter den verschiedenen Herstellern waren seinerzeit hart umkämpft. In der damaligen Slot-Car-Szene mischten neben dem Marktführer Scalextric (ab 1957) die Spielwarenproduzenten Faller mit AMS (seit 1963), Stabo Car (seit 1964), Reinhard & Co "Rasant-Modellstraße" (seit 1964), Fleischmann (GFN) und Grötsch (GGN) mit.

Mit Beginn der 1970-er Jahre endete in Deutschland der erste Slotcar-Boom. Nach und nach nahmen viele Unternehmen ihre Autorennbahnen vom Markt, darunter auch der Hersteller Trix. Im Jahr 1982 sah sich selbst Märklin aufgrund stark zurückgehender Verkaufszahlen gezwungen, die Produktion der Märklin-Sprint Rennbahn vollständig einzustellen. Erfolgreiche Überlebende aus den Anfängen des Slot-Car-Rennsports sind heute noch die beiden Hersteller Scalextric und Carrera. Über die Trix Lincoln Rennbahn ist heutzutage nur noch wenig bekannt. Literatur und größere Beschreibungen existieren nach derzeitigem Kenntnisstand keine. Auch von der einstigen Modellpallette hat nur wenig überlebt. Da die Rennbahn aufgrund ihres unterschiedlichen Maßstabs nicht mit dem Maßstab 1:87 der HO-Modelleisenbahn harmonisierte, war das Ende dieses Spielzeugs eigentlich absehbar. Dennoch soll darauf hingewiesen werden, dass sämtliche Rennwagen die der Autor im Laufe Zeit erworben hat, auch nach fast 40 Jahren ihrer Herstellung immer noch tadellos funktionieren bzw. ihre Runden absolvieren.

Blick in einen geöffneten Trix Lincoln Slot Car.

Abb. 2:   Blick in einen geöffneten Trix Lincoln Slot Car. Das wahlweise abschaltbare Motorengeräusch der Trix-Rennwagen beruht auf einem verschiebbaren Messingblech, das an die rotierende Spindel des Elektromotors herangeführt wird. Dadurch einsteht ein relativ lautes knatterndes Geräusch, das von seiner Frequenz nicht unbedingt als angenehm empfunden wird, darüber hinaus beeinträchtigt das Messingblech die Fahrleistung des Slot-Cars erheblich, (Foto,  ©: M. Linnenbach).

 Abb. 3:

Trix Lincoln 7065, 4-spurige Super-Rennbahn, damaliger VK 79.- DM, (Foto,  ©: M. Linnenbach).

Werbeschrift für die neuartige Trix Lincoln Autobahn, Repro aus dem Trix Katalog von 1968

Abb. 4: Werbeschrift für die Trix Lincoln Autobahn, Repro aus dem Schweizer Trix Express Katalog (1968).

Trix Rennbahn von Michael Linnenbach

Abb. 5: Trix Lincoln-Rennbahn des Autors, Börse Zwingenberg 2006 (Foto, ©  M. Linnenbach)

Abb. 6: Trix Lincoln-Rennbahn 7062 mit Le Mans Einfahrt und Rundenzähler (Foto, ©  M. Linnenbach)